Familie, Leben

Was hättest Du gewollt?

Achtung: Hier geht es um das Thema Organspende und wie rede ich mit meinen Kindern darüber.Was wäre ihr wille? Es ist ein enorm wichtiges Thema, aber auch ein sehr sensibles. Hier geht es um meine Meinung und wie wir Zuhause damit umgehen. 

 

Dies ist jetzt der vierte Versuch. Einiges an Papier, auf dem ich vorgeschrieben habe fliegt hier bereits herum. Daran erkenne ich aber, auch wie schwierig dieses Thema ist.

Anfang Januar gingen die aktuellen Zahlen der Organspenden für das Jahr 2017 durch die Medien. Erschreckend niedrige Zahlen die durch die „deutsche Stiftung Organtransplantation“ kurz DSO veröffentlicht wurden. Es kam im vergangenen Jahr gerade mal zu 797 Spenden, die niedrigsten Zahlen seit vielen Jahren. Da wir oft die Nachrichten mit unseren Kindern zusammen schauen, diese aber auch eigenständig die Logo Kindernachrichten schauen, haben auch sie von dem Problem mitbekommen. Relativ kurz danach ging die Fragerei los. Was ist eine Organspende? Warum macht man das? Für wen sind die Organe? Welche Organe können gespendet werden? Ist man dann auch wirklich tot? Und die für uns , als Eltern erstaunlichste Frage von allen: Kann ich als Kind auch meine Organe spenden wenn ich tot bin?

Puhhh, dies hat gesessen. Aber mir auch gezeigt, dass meine „drei“ sehr neugierig sind und sich eben nicht nur für Fussball, Autos, YouTube und Musik interessieren. Zu diesem Zeitpunkt, Anfang Januar, hatten wir noch keine Ahnung dass es in unserem direkten Umfeld ein Thema sein wird. Plötzlich wurden wir damit konfrontiert dass ein Freund vom Fuchskind dringend eine neue Leber benötigt. Zu den oben genannten Fragen kamen dann noch fragen auf wie: Kann man auch etwas von seiner Leber abgeben wenn man noch lebt? Wie lange kann es dauern bis er ein neues Organ bekommt? Wie geht es dann weiter? Wer entscheidet ob er ein Organ bekommt? der Fragenkatalog wurde immer länger. Mein Mann und ich kannten die Antworten schon. Er als Arzt und Ich als Krankenschwester auf einer Intensivstation, hatten schon sehr oft mit dem Thema Organspende zu tun. Für uns war es nie ein Thema, wir sind seit etlichen Jahren im Besitz einer Organspende Ausweises. Aber wie sieht es mit den Kindern aus? Wissen sie dass wir im falle unseres Todes unsere Organe spenden wollen? Würden meine Kinder ihre Organe spenden wollen? Wären sie in der Lage für uns und in unserem Willen zu entscheiden wenn wir nie mit Ihnen darüber geredet haben?

Da mein Mann selber während der Studienzeit bei der DSO gearbeitet hat, viel ihm ein dass es da einen Kurzfilm von Eurotransplant Leiden gibt. In diesem Film wird erklärt wie der Ablauf ist und wer was entscheidet. Kurzerhand haben wir uns diesen Film mit unseren drei angesehen. Den Film “ More than am Match“,  findest Du hier.

Nach dem Film waren viele Fragen beantwortet, allerdings blieben aber noch einige offen. Zum Beispiel die Erklärung und den Unterschied zum Herztod. Dass man nur seine Organe spenden kann, wenn der potentielle Spender für Hirntod erklärt wurde. Die Hirntoddiagnostik ist kein Prozess der innerhalb von fünf Minuten und zwischen Tür und Angel erledigt wird. Es kann sich über mehrere Tage hinziehen und bedarf einer grossen Sorgfalt. Oft aber kommt es bei potenziellen Spendern zu dem Problem, dass zu Lebzeiten nie darüber gesprochen wurde. Die Angehörigen stehen vor einer grossen Entscheidung und sind sich unsicher, was dazu führen kann dass sie sich gegen eine Spende entscheiden. Aber auch dass viele für sich behaupten dass man ihre Organe nicht mehr nutzen kann und sie sich selber schon für nicht geeignet  halten. Überlasst diese Entscheidung den Ärzten und der DSO, denn sie Entscheiden ob ihr geeignet währt oder nicht. Dies und die mangelnde Aufklärung in der Bevölkerung, führt meiner Meinung nach dazu, dass die Zahlen der Spenden  zurück gegangen sind. Oft kommen am Patientenbett die Aussagen auf wie:

Wir haben nie darüber geredet! Ich weiß doch nicht was Er/Sie gewollt hätte!

Und genau dies möchte ich für mich innerhalb der Familie nicht haben, ich möchte dass wir von jedem einzelnen wissen was er oder sie möchte. Zu Lebzeiten und nicht dann erst, wenn es soweit ist. Wir als Erwachsene haben einen Spenderausweis, unsere Kinder nicht….Nach all den Informationen haben wir unsere Kinder gefragt was ihr Wille ist, sollte ihnen etwas schreckliches passieren. Die Antworten haben mich erstaunt, erstaunt mit welcher Logik und mit welchen Gedanken sie ihre Entscheidung getroffen haben.

Meine Tochter (12 Jahre) : Ich möchte dass meine Organe gespendet werden, wenn man mir nicht mehr helfen kann, dann wenigstens jemandem anderes und im besten Fall noch einem anderen Kind!

Mein Sohn ( 9 Jahre) : Wenn ich Tot bin, dann brauche ich meine Organe nicht mehr, es wäre zu schade sie zu beerdigen, da braucht sie keiner. Und wenn ich sie Spende dann kann jemand anderes weiter Leben und ich in ihm.

Fuchskind ( 6 Jahre) : Ich möchte nicht dass es jemanden so geht wie meinem Freund, wenn ich so helfen kann dann tue ich das.

Mit diesen Aussagen hatte ich nicht gerechnet. Es war keine Spur von Angst oder Zweifel da. Natürlich haben sie uns auch gefragt was wir denn wollen und ob wir auch spenden würden. Und JA wir würden und dies wissen sie nun endlich auch. Mir hat es eine Last  genommen, zu wissen dass im Falle eines Falles die Situation geklärt ist und jeder einzelne für sich entschieden hat. Selbst wenn sich einer von ihnen (verständlicherweise) dagegen ausgesprochen hätte, ich würde es akzeptieren.

Ich kann euch nur empfehlen über “ euren Willen“ zu reden, wenn nicht mit Euren Kindern, dann  mit Euren  nächsten Angehörigen, im besten Fall habt ihr einen Organspende-Ausweis. Auf diesem könnt ihr nicht nur der Organspende zustimmen, sondern diese auch ablehnen. Dieser kleine Ausweis kann es Euren Angehörigen um einiges leichter  machen, oder  auch dass man mal darüber geredet hat.

Ich selber  habe schon einige Patienten begleitet die zum Organspender wurden. Vom Zeitpunkt an, an dem sie in die Klinik eingeliefert wurden bis hin zum Tag der Organentnahme und selbst dann noch im OP. Ich bin ihnen mit einem tiefsten Respekt entgegen getreten und einer ewigen Dankbarkeit.

 

Don’t take your Organs to Heaven. Heaven knows we need them here

 

Jetzt hoffe ich für unseren Freund, dass ihm schnell geholfen werden kann und ein passendes Organ gefunden wird. Seinem zukünftigem Spender gilt meine ewige Dankbarkeit.

 

Liebste Grüsse, Pipina

 

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